"Danke!" = "Ich sehe, was du leistest!"

Freitag, 19. August 2022

Haben du und deine Familie euch schon einmal übertrieben viel für all das, was ihr füreinander macht bedankt? Hört sich seltsam an, ich weiß! Es hat aber einen interessanten Hintergrund und ich möchte erzählen, warum ich dir diese Frage stelle. 

Vor kurzem hatten mein Mann und ich eine „angeregte“ Unterhaltung darüber, dass wir beide das Gefühl haben, dass der jeweils andere nicht mehr sieht, was wir im Alltag an Aufgaben übernehmen. Unweigerlich kam es zu einer Diskussion darüber, was eigentlich selbstverständlich sein sollte und wofür ein explizites Dankeschön angebracht ist. So ging das hin und her, bis mein Mann mit einem etwas schrägen Vorschlag kam. Wir sollten alle drei, mein Sohn eingeschlossen, in den folgenden Tagen bewusst unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge lenken, die wir füreinander taten und uns dafür beim jeweils anderen bedanken. Nachdem ich den Vorschlag anfangs als übertrieben ansah, habe ich doch eingewilligt um zu sehe, was dabei herauskommt. 

Vielen Dank, dass du die Spülmaschine ausgeräumt hast!
Danke, dass du daran gedacht hast, die Getränke für die Geburtstagsfeier zu bestellen!
Danke, fürs Kochen!
Vielen Dank, dass du mit Nick die Hausaufgaben gemacht hast!
Vielen Dank, dass du einkaufen warst!
Danke, dass du mich zum Training gefahren hast!

Schon nach zwei Tagen war ich erstaunt darüber, wie gut es mir tat für vermeintliche Selbstverständlichkeiten ein Dankeschön zu erhalten! Auf der anderen Seite musste ich mir eingestehen, dass mein Mann häufig Aufgaben übernahm, die ich übersah. 
Auch für ihn war es schön, ein Dankeschön zu hören, aber auch zu sehen, was ich alles leistete. Das häufige ‚Dankeschön‘ für alles und jedes waren zwar erst einmal seltsam, führten aber zu einer wesentlich besseren Stimmung bei jedem von uns.

Auch wenn die ‚Dankeschöns‘ mittlerweile wieder weniger geworden sind, hat diese Aktion zu mehr Wertschätzung füreinander geführt. 

Probiere doch in deiner Familie mal aus, ob euch dieses „Experiment“ guttut. Ihr müsst es nicht lange machen, ein paar Tage reichen aus. Denn jedes DANKE steht dann für ICH SEHE WAS DU LEISTEST! 


Warum sich auch in den Medien etwas ändern darf

Freitag, 12. August 2022

Immer wieder lese ich Artikel oder Posts darüber, was die Working Mom von heute sich so alles an Hilfsmitteln zulegen kann, wenn sie sich das Leben leichter machen möchte. Wie sie so den Mental Load und Work Load besser organisiert und bewältigt bekommt. 

Mich machen diese Artikel oft wütend, denn sie berücksichtigen selten, dass es nicht darum gehen sollte, mit welch großartigen und neuesten Tools die Frau Ihre To-Do-Liste besser abgearbeitet bekommt. Es sollte vielmehr darum gehen, dass sich diese Tipps an beide Partner einer Beziehung richten und beiden das Familien-Management erleichtern sollten. Nicht nur die Working Mom kann sich Erinnerungen im Handy abspeichern oder Listen mit anstehenden To-Dos füllen. Die vorgestellten Hilfsmittel dürfen sich immer an die Working Mom UND den Working Dad richten. Nur so wird die schon lange überfällige Sensibilität für das Thema ‚gleichberechtigte Aufgabenteilung‘ geschaffen werden können. 


Die Medien sollten hier mit dazu beitragen, dass auch in der Gesellschaft mehr Selbstverständlichkeit dafür geschaffen wird, dass auch Väter für die Care- und Hausarbeit verantwortlich sind und dass dies keine One-(Wo)Man-Show der Mütter ist. 

In meinem Buch „Die KooPAARation – Der gemeinsame Weg zur Vermeidung des familiären Burn-outs“ erkläre ich sehr detailliert, wie du und dein Partner GEMEINSAM eine gleichberechtigte Aufgabenteilung erreicht. Schau doch mal im Shop vorbei. 


Warum Mütter oft die besseren Arbeitnehmerinnen sind

Freitag, 29. April 2022

Habt Ihr schon einmal Euer Muttersein ganz bewusst und vor allem selbstbewusst als Vorteil bei Eurem Arbeitgeber angemerkt? 

Ich habe das nie gemacht. Es stand eher im Vordergrund es nicht an die große Glocke zu hängen, da ich als Working Mom in Teilzeit ja schließlich nicht 40 Stunden zur Verfügung stand. Allerdings ging es bei mir vor kurzem um die Frage, ob ich als Hauptverantwortung meiner Teilzeittätigkeit die Teamleitung für
 10 -15 Leute übernehmen würde. Bei unserem Gespräch ließ mein Vorgesetzter unter anderem folgenden Satz fallen: „...außerdem habe ich festgestellt, dass es sehr hilfreich ist Kinder zu haben, wenn man ein Team leitet.“ Ich habe erst einmal über den Spruch gelacht, als ich aber eine Weile darüber nachgedacht habe, war da wirklich etwas dran. 
Denn wenn man ein Team leitet, hat man es neben all den fachlichen und organisatorischen Themen, vor allem mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Charakteren zu tun. Diese Kombination erfordert, dass man in der Lage ist die entsprechende Flexibilität und die jeweils erforderliche Empathie an den Tag legen. Der eine Kollege benötigt mehr Unterstützung und Wegweisung als der andere, die eine Kollegin benötigt mehr positive Ansprache, damit sie sich etwas zutraut, dir andere geht ihren Weg ganz allein. Ein Team zu leitet erfordert so viele Fähigkeiten, die ihr als Mutter Tag täglich ganz selbstverständlich in eurer Familie einsetzt. Flexibilität, effizientes und effektives Arbeiten, organisatorisches Talent, Fokus, Empathie und noch so vieles mehr.

Macht euch das einmal bewusst und verkauft diese unschlagbaren Fähigkeiten zukünftig als euren großen Vorteil für den Job und für die Position, die ihr anstrebt. 

Hast du den Mut zur Veränderung?

Freitag, 01.04.2022

Hast du den Mut zur Veränderung oder machst du doch schnell einen Rückzieher, sobald du auch nur MÖGLICHE Schwierigkeiten oder Widerstände meinst vorherzusehen? 
Ich frage das deshalb, weil ich in meinem Umfeld immer wieder feststelle, dass sich zwar über eine mangelnde gleichberechtigte Aufgabenteilung in der Beziehung und der Familie beklagt wird, bei genannten und schnell umsetzbaren Veränderungsoptionen dann aber doch sehr schnell 1000 Gründe genannt werden können, warum diese nicht machbar sind. Ohne es mal ausprobiert zu haben und abzuwarten, was passiert. 

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass vielen Frauen offenbar doch der Mut zu fehlen scheint, ihre Partner mehr in die Alltagsaufgaben einzubinden und eine gerechte Aufgabenteilung nachdrücklich einzufordern. Natürlich kann es zu Widerständen, Diskussionen und auch zu Streitigkeiten kommen, sobald eingefahrene Gewohnheiten und Familienstrukturen aufgebrochen werden und es plötzlich für das Gegenüber nicht mehr ganz so „kuschelig“ und bequem ist. Aber das sollte es mir als Frau doch Wert sein, wenn ich aus der so oft thematisierten Mehrfachbelastung einer berufstätigen Mutter raus möchte. Denn es bilden sich oft schneller neue Routinen in der gesamten Familie, als man anfangs denkt. Ich war selbst erstaunt darüber, wie gut es bei uns geklappt hat. 

Oder muss ich bzw. wir erkennen, dass wir sowohl im Einzelnen als auch in der Gesellschaft noch nicht so weit sind dieses Ungleichgewicht tatsächlich anzugehen und zu verändern? Müssen wir erst noch weitert den Status quo immer wieder feststellen, ihn uns gegenseitig bestätigen und beklagen, um dann irgendwann, wenn wir uns dafür bereit fühlen etwas zu verändern? Wie lange soll oder muss das noch dauern? Ein paar Jahre? Eine ganze Generation? Werden es womöglich erst unsere Kinder bzw. Töchter sein, die die Veränderung herbeiführen und durchsetzen, weil sie mit der Beobachtung und in dem Wissen darum großgeworden sind, dass ihre Mütter oft an ihre Belastungsgrenzen gestoßen sind und sie für sich einen anderen Weg gehen möchten?

Oder geht es am Ende doch gar nicht um mangelnden Mut zur Veränderung, sondern darum dass wir Frauen unbewusst in dem uns vorgelebten Rollenbild gefangen sind, welches wir nicht so richtig bereit sind loszulassen. Wollen oder können wir womöglich (noch) gar nicht abgeben und meinen alles kontrollieren und selbst machen zu müssen?

Was sind deine Gedanken dazu? Wie mutig bist du, solltest du etwas für dich verändern wollen? 

Ist es Gemecker oder steckt vielleicht doch etwas anderes dahinter?

Freitag, 25. März 2022

Wie oft haben wir uns in der Vergangenheit über Unordnung und Chaos gestritten. Wie oft habe ich mich damals darüber beklagt, dass deine Schuhe kreuz und quer im Flur herumlagen, dass schmutziges Geschirr einfach auf der Spülmaschine abgestellt wurde, dass die Wäsche im Wäschekorb überquoll oder geöffnete Post tagelang auf der Kommode und der Kücheninsel lag. Immer und immer wieder, gefühlte oder vielleicht sogar tatsächliche tausend Mal haben wir uns angemotzt, weil ich das Bedürfnis nach mehr Ordnung hatte, du das selbst aber nicht nachempfindest konntest und keinen Anlass sahst, meinem Bedürfnis an dieser Stelle nachzukommen. 
 
Aber woher kam der Wunsch im Außen immer ein gewisses Maß an Ordnung haben zu wollen oder sogar zu müssen, damit ich mich wohl fühlen bzw. nicht so belastet fühlen konnte? Irgendwann ist es mir mit einem Schlag klar geworden! Denn immer dann, wenn mein Kopf vor lauter beruflicher Themen und familiärer To-Dos zu platzen drohte, kam ich auch mit der vermeidlichen Unordnung in unserem Zuhause nicht klar. Je voller mein Kopf und je chaotischer mein Inneres sich anfühlte, desto aufgeräumter brauchte ich es im Außen. Das ordentliche Außen tat mir gut, es ließ mich atmen. Ich hatte beim Blick über leere Flächen, einem aufgeräumten Esstisch, einer sauberen Arbeitsfläche in der Küche das Gefühl wenigstens hier durchatmen zu können und keine weiteren To-Dos vor der Brust zu haben. Standen dort aber Sachen herum, lagen Klamotten auf dem Boden, standen leere Flaschen auf dem Tisch, dann setzte mich das zusätzlich unter Druck. An allem was herumstand sah ich zusätzlich zu all den Themen in meinem Kopf eine Weitere zu erledigende Aufgabe: „In die Spülmaschine räumen“, „Wäsche machen“, „Pfandflaschen wegbringen“, „Krümel wegwischen“, „Pfanne spülen“, usw. 
 
Nachdem mir das klar geworden war, konnte ich mit der Situation viel besser umgehen. Es ging nun nicht mehr darum, mich über das Chaos zu beschweren, sondern es ging darum, dir sagen zu können, dass ich zu viel um die Ohren hatte und deine Unterstützung brauchte. Meine Message an dich war eine andere, eine die du viel besser verstehen und drauf reagieren konntest. 
 
Wenn wir erkennen, worum es tatsächlich geht, dann wird es leichter mit unserem Partner zu kommunizieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Mann immer dann meinen Wünschen oder Bedürfnissen besser nachkommen konnte, wenn er verstanden hatte, worum es wirklich ging. 


Er: "Natürlich sind wir gleichberechtigt!" 

Sie: "Wirklich?"

Freitag, 18. März 2022

In einem Streit mit meinem Mann, in dem wir uns gegenseitig den ein oder anderen Vorwurf an den Kopf warfen, fiel irgendwann der folgende Satz von ihm: „DU bist so privilegiert, du hast sogar Unterstützung im Haushalt!“. Bähm, da war er, der Satz auf den ich irgendwie schon lange gewartet, aber gehofft hatte, dass er nie fällt. Denn mit der genannten „Unterstützung im Haushalt“, war unsere liebe Laura gemeint, die jede Woche dafür sorgte, dass unsere Wohnung schön sauber gemacht wurde und wir mit frisch geputzten Böden und Bädern ins Wochenende starten durften. ICH war also in den Augen meines Mannes privilegiert, weil ICH Unterstützung im Haushalt hatte!?  Was genau bedeutete das? Es bedeutete, dass er unbewusst oder bewusst der Meinung war, dass die Aufgaben rund um den Haushalt, also auch das Putzen unserer Wohnung MEINE Aufgabe war und ICH Unterstützung hatte. 
Mich hat dieser Satz nachhaltig beschäftigt, denn auch wenn er mir schon mit dem Einzug in unsere erste gemeinsame Wohnung gesagt hatte, dass er nicht selbst putzen wollte und lieber Geld für eine Putzfrau ausgeben würde, so wurde mit diesem Satz doch leider sehr deutlich wahr – oder zumindest empfand ich das damals so – dass wir hier weit weg von jeglicher Gleichberechtigung waren. Dass es doch irgendwie, sollten wir uns keine Putzfrau leisten können oder wollen, MEINE Aufgabe war die Wohnung sauber zu halten. Das musste ich damals tatsächlich erst einmal verdauen. 
 
Gelebte Gleichberechtigung hat sehr viel mit der inneren Einstellung und einer entsprechenden Selbstverständlichkeit zu tun. Dass diese bei vielen Männern immer noch nicht gegeben ist, zeigt sich in solchen Situationen. Daher ist es so wichtig, dass wir Mütter unseren Kindern ein neues gleichberechtigtes Rollenbild mitgeben und vorleben. 
Fordert daher vor allem auch eure Söhne regelmäßig dazu auf, den Tisch abwischen, den Wäschekorb zur Waschmaschine zu tragen oder den Staubsauger anschmeißen. Außerdem sollte es keine Ausnahme sein, dass eurer Partner den Kochlöffel schwingt oder die Spülmaschine ein- und ausräumen.
 
Kinder lernen vor allem dadurch, dass sie Verhaltensweisen vorgelebt bekommen UND sie regelmäßig Aufgaben übernehmen, die mit der Zeit zu einer selbstverständlichen Routine und Gewohnheit werden. Lasst uns als Mütter, hier also die Verantwortung und die Initiative dafür übernehmen, dass die uns nachfolgende Generation nicht mehr mit veralteten Rollenbildern aufwächst. 

Wann beginnt für dich der wohlverdiente Feierabend?

Freitag, 11. März 2022

Feierabend! Ein schönes Wort, nicht wahr?!
Damit verbinden die meisten von euch sicherlich auch die schöne Vorstellung von Ruhe, Entspannung und Zeit für sich selbst - nach getaner Arbeit. 
Bei Wikipedia wird er wie folgt beschrieben: „Feierabend ist die Muße-, Frei- und Ruhezeit und bezeichnet sowohl das Ende des Arbeitstages wie auch die freie Zeit danach bis zur Nachtruhe.“
 
Wann beginnt bei dir als Working Mom, so wie oben beschrieben, dein Feierabend?
Sobald du deine bezahlte Arbeitsstelle verlässt?
Sobald die Kinder von der Schule oder dem Kindergarten abgeholt wurden?
Sobald du von den Nachmittagsaktivitäten mit deinen Kindern wieder nach Hause kommst?
Sobald dein Partner ebenfalls von der bezahlten Arbeit nach Hause kommt?
Sobald das Abendessen gekocht ist?
Sobald die Küche abends aufgeräumt ist?
Sobald die Kinder im Bett sind?
Sobald die Wäsche, die du abends vor dem Fernseher zusammenlegst, erledigt ist?
Sobald du im Bett liegst?
 
Gibt es eigentlich so etwas wie Feierabend für berufstätige Mütter? Oder schieben die meisten immer auch einen Teil der Hausarbeit in die Abendstunden, da sie erst dann dazu kommen? 
 
Aus eigener Erfahrung und vielen Berichten anderer berufstätiger Frauen weiß ich, dass es den klassischen Feierabend, so wie wir ihn womöglich aus der Zeit ohne Kinder kennengelernt haben, nicht wirklich gibt oder er nun einen extrem kurzen Zeitraum darstellt. 
 
Hast du mal beobachtet, wann dein Partner Feierabend macht? Mit dem Nachhause kommen von seiner beruflichen Tätigkeit? Nachdem er vom Sport kommt? „Fordert“ er schon da für sich den Feierabend ein? Oder sieht er sich auch nach Beendigung seines Vollzeitjobs in der Verantwortung Alltagsaufgaben zu übernehmen, die du in den wenigen Stunden zwischen deiner bezahlten Berufstätigkeit und seinem nach Hause kommen nicht geschafft hast? 
Wechselt ihr euch also bei der Zubereitung des Abendessens ab? Holt er die Kinder vom Sport oder Freunden ab? Kauft er regelmäßig und selbstverständlich ein? Sitzt ihr zu zweit vor dem Fernseher und faltet die Familienwäsche gemeinsam zusammen? 
 
Falls du den Großteil der Fragen mit ‚nein‘ oder ‚selten‘ beantwortet hast, dann ist es an der Zeit, dass Du hier einmal genauer hinschaust und du mit deinem Partner festlegst, wie ihr gemeinsam und gleichberechtigt die Aufgaben aufteilt, um gemeinsam in den wohlverdienten Feierabend gehen zu können. Dass du in Teilzeit arbeitest, bedeutet keineswegs, dass du in den wenigen Stunden, bis dein Partner nach Hause kommt, alle Aufgaben rund um die Kinder und den Haushalt alleine schaffen kannst. Das ist schier unmöglich! Dir das einmal wirklich bewusst zu machen ist unglaublich wichtig, um selbstbewusst und mit Nachdruck eine neue Aufgabenteilung einzufordern.

Walking in my shoes - Das ist NICHT meine Aufgabe!

Dienstag, 01. März 2022

Es kostet mich Zeit, MEINE Zeit! Jedes Teil, was ich für dich in die Spülmaschine räume, weil du es mal wieder nicht selbst eingeräumt hast, jedes Kleidungstück, was ich irgendwann entnervt vom Boden aufhebe und mit in die Wäsche nehme, jede Altglasflasche die ich beim Container einwerfen, nachdem ich dich mehrfach darum gebeten habe und doch nichts passiert ist. DAS ALLES kostet mich Zeit! MEINE Zeit, die ich viel lieber für andere Sachen, die mir Spaß machen und die mich erfüllen nutzen möchte.  
 
Wie oft sind es wir Frauen, die am Ende doch die Teller und Tassen in die Maschine räumen, die Waschmaschine anschmeißen oder das Altglas auf dem Weg zur Arbeit noch schnell beim Container vorbeifahren? Aus eigener Erfahrung und den Erzählungen meiner Freundinnen und Bekannten weiß ich, dass das noch sehr oft der Fall ist.  
Sicherlich weil unser Anspruch an ein aufgeräumtes Zuhause höher ist und der „Leidensdruck“ größer, wenn sich Aufräumversprechen unserer Partner über mehrere Tage hinziehen. Aber gewiss NICHT, weil wir uns so gerne darum kümmern, NICHT weil uns langweilig ist und auch NICHT weil wir es besser können.
 
Ich möchte ungerne irgendwann auf mein Leben zurückblicken und den Großteil meiner Zeit damit verbracht haben, meinem Partner oder meinen Kindern Aufgaben abzunehmen, für die sie selbst zuständig sind. Denn es gibt keinen, wirklich keinen Grund, immer wieder das vom Partner oder den bereits großen Kindern genutzte Geschirr in sämtlichen Zimmern einzusammeln und in den Geschirrspüler zu räumen. Es gibt auch keinen Grund dafür, dass ICH die Hemden meines Partners bügle. Männer können all das ebenso gut (lernen) und sich über Routinen die erforderlichen Gewohnheiten aneignen diese Aufgaben zu übernehmen.
 
Denn es ist in vielen Partnerschaften keinesfalls so, dass die Ansprüche der Frauen maßlos oder aus der Luft gegriffen wären. Nein, in den allermeisten Fällen bekommen wir uns bei Aufgaben in die Wolle, die sowieso gemacht werden müssen. Denn schnell ist der Geschirrschrank leer und sämtliche Arbeitsflächen vor lauter Teller, Tassen und Gläser nicht mehr nutzbar. Irgendwann ist im Kleiderschrank Ebbe und die Klamotten häufen sich dafür vor der Waschmaschine und im überquellenden Wäschesack. Irgendwann steht der Balkon voller Pfand- und Altglasflaschen, so dass wir nicht mal mehr darauf sitzen können. 
 
Wie habe ICH es also erreicht, dass bei meinem Mann irgendwann ein Umdenken stattgefunden hat? 
Ich habe ihn immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht seine Köchin, Wäschefrau oder der Zimmerservice bin. Mal mehr, mal weniger geduldig, aber kontinuierlich. Ich habe ihn nicht vom Haken gelassen und ihm die Aufgaben NICHT mehr abgenommen. Standen Sachen auf dem Geschirrspüler, habe ich ihn bei nächster Gelegenheit gebeten sie einzuräumen. Ich habe es NICHT selbst gemacht. Als mir die Wäscheberge unseres Dreipersonenhaushalts über den Kopf wuchsen und ich oft das Wochenende damit verbrachte, habe ich ihm die eigene Wäsche in seine Verantwortung übergeben. Sich angesammeltes Pfandglas wird mittlerweile von meinem Sohn zum Supermarkt gebracht. 
 
Ich möchte dich dazu ermutigen selbst einmal genau hinzusehen und zu prüfen, welche Aufgaben du für deine Lieben übernimmst, die dir DEINE Zeit stehlen und die nicht du, sondern dein Partner oder deine Kinder übernehmen sollten. Bleib hier standhaft und erledige sie auf keinen Fall selbst, sondern bestehe darauf, dass sie sich darum kümmern. Immer und immer wieder! Du wirst sehen, dass sich irgendwann der gewünschte Automatismus bei ihnen einstellt und die Sachen dann tatsächlich viel selbstverständlicher erledigt werden. Ich weiß, das kostet vor allem am Anfang viel Geduld und Durchhaltevermögen. Aber nur, wenn DU etwas veränderst, verändert sich auch etwas in deiner Partnerschaft und der Familie. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg dabei! Ich verspreche dir, es funktioniert! 

Walking in my shoes - Der "Ritt" zum Kindergarten

Montag, 21. Februar 2022

Ich versuche eine andere Mutter auf dem Handy zu erreichen, um sie zu fragen, ob sie meinen Sohn mit raus nimmt und vor dem Tor auf mich wartet. Ich war in letzter Zeit schon viel zu oft zu spät dran und so langsam wird es mir peinlich ständig im Kindergarten anzurufen. Außerdem wird es nicht gerne gesehen, wenn man zu spät ist. Erst letzte Woche hat mich eine Erzieherin mit den Worten „Wir schließen um 16 Uhr“ dezent darauf aufmerksam gemacht, dass ich bitte pünktlich sein möge. 
Ich bin genervt und gestresst. Warum kriechen die Leute heute mal wieder so auf der Autobahn. Klar, da vorne sehe ich schon, wie es sich an der üblichen Stelle staut. Ich schaue permanent auf die Uhr, noch 14 Minuten bis 16 Uhr. Das Navi zeigt mir als Ankunftszeit 16:05. Scheiße! Ich hätte die letzte E-Mail doch nicht mehr schreiben sollen, dann wäre ich jetzt pünktlich. Ich hätte die offenen Fragen ja eigentlich auch telefonisch vom Auto aus klären können. Mache ich ja oft genug. 

Kommt dir das bekannt vor? Sieht auch dein Arbeitstag oft so aus und du bist abends müde und kaputt? 

Es ist wichtig, dass du deinem Partner davon erzählst und dass er weiß, wenn du mal wieder an deine Grenzen stößt und weshalb. Höre nicht auf transparent zu machen, wie deine zweite Tageshälfte nach dem Verlassen des Büros aussieht. Sei hier auch mal bewusst unbequem, getreu dem Motto „Walking in my shoes“.
Denn auch wenn das Abholen des Kleinen vom Kindergarten keine Aufgabe ist, die er dir abnehmen kann, so soll er trotzdem wissen, dass es eben genau diese, unter Zeitdruck zu erledigenden Aufgaben es sind, die uns berufstätigen Müttern den Tag so stressig machen.

Leite diesen Blog-Post doch mal an deinen Partner weiter. So kannst du ihm auch mitteilen, wie es dir geht und oft hilft es, wenn er sieht, dass dieses Problem auch viele andere Working Moms haben. 

Wertschätzung für Working Moms und ihre Care-Arbeit

Montag, 07. Februar 2022

Werden Aufgaben rund um die Familie eigentlich genauso wertgeschätzt wie Aufgaben und Verantwortungen im Job?
Kann man also eine E-Mail die wir im Büro erhalten überhaupt mit der, die der Kindergarten schickt, vergleichen? Welche ist wichtiger? Und sind es immer nur die beruflichen Pflichten die mit viel Aufwand verbunden sind? 

 

In der Priorität gewinnt hier häufig die E-Mail aus dem Büro. Sie muss unbedingt zeitnah beantwortet werden, denn die Kollegen warten bereits auf eine Rückmeldung damit das Projekt weitergehen kann. 

Die E-Mail vom Kindergarten die den nächsten Ausflug ankündigt und die notwendigen Vorbereitungen aufführt wird oftmals abends nur noch überflogen und als zusätzlicher Aufwand und Mental Load empfunden. Häufig von der berufstätigen Mutter. 

Denn SIE ist auch in der heutigen Zeit noch meistens diejenige, die sich um die Care-Arbeit und somit um die Kommunikation mit den sozialen Einrichtungen kümmert. Aus der Überlastung heraus entbrennt zwischen der Working Mom und ihrem Partner so auch schon mal eine Diskussion über Aufwand und Priorität dieser Aufgaben. Nicht selten wird da die E-Mail aus dem Kindergarten als weniger wichtig oder aufwändig vom Partner betrachtet. 

 

Was aber bedeutet es, wenn zum nächsten Ausflug in den Wald eingeladen wird, an dem die Kleinen selbstverständlich teilnehmen sollen? Schauen wir uns doch einmal genauer an, was hinter dieser einen E-Mail stecken kann: 

In der Regel werden die Eltern (!) schriftlich über das anstehende Abenteuer informiert, da oft ein paar Vorbereitungen zu treffen sind. Wurden alle Informationen gelesen ist nun erst einmal das Datum des Ausflugs im Kalender einzutragen, damit dieser nicht vergessen wird. Außerdem ist nicht selten eine Einwilligungserklärung, die versichert, dass das Kind an dem Ausflug teilnehmen darf, zu unterschreiben und an den Kindergarten zurückzugeben.

Kann das Vorhaben finanziell nicht komplett von der Einrichtung getragen werden, wird meist um einen in bar zur Verfügung gestellten Beitrag gebeten. Dieser ist bei der Bank abzuheben, in einen Umschlag zu stecken, mit Namen zu versehen und ebenfalls im Kindergarten abzugeben. 

Endlich ist der, von den Kleinen, schon lange herbeigesehnte Tag da! 

Nun heißt es für dieses besondere Ereignis den Rucksack zu packen. Der Eierkarton, der bei dem Besuch im Wald benötigt wird, wurde geleert und an einer gut sichtbaren Stelle platziert, um ihn am Tag des Ausflugs nicht zu vergessen. Schnell noch die Brote schmieren, die Trinkflasche auffüllen, alles im Rucksack verstauen und die Matschhose nicht vergessen! An den Tagen vor dem Ausflug war es regnerisch und es wurde nachträglich noch einmal darum gebeten, eine zusätzliche Matschhose zur Verfügung zu stellen. 

 

Mit dieser einen E-Mail sind Mütter somit über mehrere Tage hinweg beschäftigt. Zum einen, mit ganz praktischen Aufgaben, wie dem Kalendereintrag, dem Abheben des benötigten Bargeldes, dem Leeren des Eierkarton und dem Bereitstellen des benötigtem Lunch-Paketes. Darüber hinaus geht all diesen Tätigkeiten aber auch immer der damit verbundene Mental Load einher. Das Nicht-Vergessen des Kalendereintrags, das Dran-Denken der benötigten Bargeldabhebung und Zurverfügungstellung, das Bereithalten einer sauberen Matschhose, das Einkaufen für das Lunch-Paket, u.s.w. 

 

Wie sehr wird dieser Aufwand aber in der heutigen Zeit von der Gesellschaft oder sogar vom eigenen Partner wertgeschätzt? Wird er überhaupt wahrgenommen und ist er sichtbar genug?

Ich, als berufstätige Mutter, habe die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich wichtig ist meinem Mann transparent zu machen, was diese eine E-Mail, aber auch viele andere Care-Aufgaben für mich neben meinem bezahlten Job bedeuten. Da er selbst nie in der Rolle eines Working-Dads gewesen ist, konnte er lange Zeit nicht nachvollziehen, dass es nicht möglich ist, neben einer 75% Teilzeitstelle auch noch zu 100% das Familien-Management zu übernehmen. Zu aufwändig und zu vielschichtig sind hier die Aufgaben.

 

Unserer Beziehung hat es daher ungemein geholfen einmal gemeinsam sämtliche familienbezogenen Themen und damit verbundenen Aufgaben detailliert aufzulisten, sie zu besprechen und zu klären, wie sie zukünftig gleichberechtigt aufgeteilt werden können. 

Dieses gemeinsame „Projekt“ hat somit für die so dringend benötigte Transparenz gesorgt, welche auch die Basis für eine gegenseitige Wertschätzung und ein Verständnis füreinander ist. 

Ich möchte daher jede Working Mom dazu ermutigen, ihren Arbeitstag, der nicht nur mit Aufgaben des bezahlten Jobs gefüllt ist, dem Partner immer wieder offenzulegen oder ebenfalls über eine Auflistung eine gleichberechtigte Aufgabenteilung einzufordern. Nur so kann sich nachhaltig auch etwas in der Gesellschaft, vor allem aber bei den nachfolgenden Generationen, verändern.